30.11.2022

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Tempolimit auf deutschen Autobahnen: Bald Realität oder nur eine Schnapsidee?

Ein Tempolimit wird schon seit längerem diskutiert, doch ein klares „Nein“ oder „Ja“ steht nicht fest. Jetzt ist die Debatte erneut entbrannt. Wir haben uns die Argumente mal angeschaut.

Tempolimit – sinnvoll oder nicht?

Das sagen die verschieden Verbände bzw. Interessen-Gemeinschaften:

Der Verkehrsclub Deutschland (vcd.de) äußert sich positiv über das Tempolimit. Er startete sogar bereits Protestaktionen für ein Tempo 120 auf Autobahnen. Ein Tempolimit könnte Staus verhindern und durch den stabileren Verkehrsfluss soll der Verkehr gleichmäßig die Autobahn passieren. Zudem vermuten sie nach Schätzungen, dass hunderte Tode und Schwerverletzungen dadurch verhindert werden können.
Der ADAC, die VDA und die Zeitschrift Autozeitung.de hält dagegen und kontert mit dem Argument, dass die Autobahn die sichersten Straßen sind. Sie gehen nicht davon aus, dass Tempo 120 mehr Sicherheit bietet. Dennoch verzeichnet der ADAC einen steigenden Trend innerhalb der eigenen Reihen, die eine Geschwindigkeitsbegrenzung befürworten. Momentan sind es 50 %.

Das sagt die Wissenschaft:

Durch eine Untersuchung des Umweltbundesamtes (UBA) stellte sich heraus, dass eine maximale Geschwindigkeit von 130 km/h etwa 1,9 Millionen Tonnen CO2 einsparen würde. Bei nur 100 km/h sogar 5,4 Millionen Tonnen. Diese Daten wurden unter realistischen Bedingungen gesammelt, d.h. an Orten mit einem Tempolimit und tatsächlich gemessen.

Dadurch könnten die nötigen CO2 Einsparungen, die die Bundesregierung festgelegt hat, verwirklicht werden. Stand jetzt wurden zwischen 1990-2018 erst 2 Mio. Tonnen CO2 eingespart. Tempo 130 könnte das knapp verdoppeln. Dennoch spricht die Automobilindustrie von einem „Nulleffekt“.

Der Effekt ist laut UBA deutlich zu messen und wäre ein Argument, welches bei der Debatte berücksichtigt werden muss.
Kurz für den Überblick: Der Straßenverkehr in Deutschland produziert 157,7 Millionen Tonnen CO2. Das macht knapp 20% des gesamten Ausstoßes aus. 69 Millionen Tonnen CO2 sollen eingespart werden. Nur mit dem Tempolimit von 130 können 2,7% eingespart werden.

Dies ist aber nicht der einzige Punkt. Oft wird auch die Sicherheit der Personen als Totschlag-Argument benutzt. Aber stimmt das? Nein. Zumindest laut dem ADAC (Allgemeine Deutsche Automobil-Club) und der VDA (Verband der Automobilindustrie).
Jedoch gibt es laut Verkehrssicherheitsrat gute Bespiele für ein Limit. Zudem gibt es Länder, die ein Tempolimit haben, die weniger Unfälle als Deutschland verzeichnen.

Eine klare Antwort haben wir nicht gefunden, da die Informationen der eigenen Quellen sich teilweise selbst widersprechen.

Das sagen die Politiker:

Es gibt wenige Strecken in Deutschland, auf denen man tagsüber überhaupt schneller als 130 fahren kann, sodass ein Tempolimit relativ wenig Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß hätte.

Armin Laschet (CDU) zur BILD

Das bezog sich darauf, dass durch den Verkehr, der auf den Autobahnen herrscht, ein schneller Fahrstil wenig bis gar nicht möglich ist.

Katharina Beck (Spitzenkandidatin der Grünen Hamburg) allerdings empfindet dies als „falsche Behauptung“, was sie auf Twitter mitteilte. Sie widerlegte die Aussage von Armin Laschet und äußerte sich wie folgt:

Ca. 10% der im Verkehr von der #Groko beschlossenen Emissionen könnten durch das Tempolimit reduziert werden.

Katharina Beck (Grüne) auf Twitter

Zudem kritisierte sie das unkommentierte Vorgehen der Tagesschau auf die Aussage von Armin Laschet.

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